Kess erziehen im Kontext der Sozialpädagogischen Familienhilfe

Seit 2007 wird vom Kreisjugendamt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Familien, die Sozialpädagogische Familienhilfe in Anspruch nehmen, ein Elternbildungskurs angeraten. Der Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald ermöglicht Müttern und Vätern in diesem Kontext die kostenlose Teilnahme an einem Kurs, der auf Kess-erziehen aufbaut.

Für dieses Angebot wurden die Konzept von „Weniger Stress - mehr Freude“ und „Abenteuer Pubertät“ in Form und Inhalt an die Bedürfnisse der Familien angepasst. Sie sind um die Einheiten „Bewegung und Ernährung“ sowie „Kraftquellen“ erweitert und finden an sieben Treffen im 14-tägigen Rhythmus statt. Der Familie wird dadurch die Möglichkeit gegeben, zwischen den Treffen die Kursinhalte mit „ihrer“ Fachkraft zu besprechen und anhand konkreter Situationen zuhause zu üben. Parallel zum Kurs wird von 1 - 2 Fachkräften aus dem Team der Sozialpädagogischen Familienhilfe eine qualifizierte Kinderbetreuung durchgeführt. Die Kurstreffen finden vormittags für den Elternbildungskurs „Kinder“ und nachmittags für den Elternbildungskurs „Pubertät“ statt. Da die Familien aus einem Teil des Flächenkreises ins Caritashaus kommen, wird im Einzelfall für die Eltern Fahrtkostenerstattung gewährt. Auch werden z.T. Fahrdienste organisiert, damit Eltern teilnehmen können.

Die kesse Haltung unterstützt darin, die Eltern da abzuholen, wo sie momentan stehen: Die Eltern werden vom Jugendamt aufgefordert, den Kurs zu besuchen. Um zu kooperieren, werden ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfragt. Dazu zählen auch die eigenen (Grund-)Bedürfnisse, die oftmals nie ausreichend gestillt wurden. Die Kursleitung muss auf die spezifische Lebenslage der jeweiligen Väter und Mütter im Kurs situationsorientiert eingehen. Ebenso sollen die Eltern erleben, dass sie in Sachen Erziehung kompetent sind und sich nicht als unfähig, als „schlechte Eltern“ erleben (ein Gefühl, das häufig zu Beginn geäußert wird: „ich bin eine schlechte Mutter“). Ermutigung der Eltern ist also wichtiger Bestandteil. Hinzu kommt: Für die meisten Eltern bedeutet es einen großen Schritt, aus der häuslichen Isoliertheit herauszutreten, sich in eine Gruppe zu begeben und sich zu öffnen. Allein aufgrund der großen Schwellenangst kommen manche Eltern erst gar nicht. Das soziale Miteinander fördern ist eine wichtige Aufgabe im Kurs.

Aus diesen Aspekten ergeben sich modulierte Rahmenbedingungen:

  • Die Kursleitung besteht aus Fachpersonal der Sozialpädagogischen Familienhilfe.
  • Zu Beginn des Kurses wird Wert auf das gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmer gelegt und dieses mit Kennenlernspielen unterstützt.
  • Die Eltern bekommen Raum, von sich und ihrer häuslichen Situation zu berichten, dazu gehören auch Schwierigkeiten mit dem anderen Elternteil, Probleme durch Trennung usw.
  • Die Eltern werden ermutigt, Fotos ihrer Kinder mitzubringen, die jedes Mal zusammen mit den positiven Eigenschaften auf einem Plakat im Kursraum hängen.
  • Die Inhalte des Kurses orientieren sich stark an der Lebenswelt der Familien, die Grundgedanken werden prägnant und eingängig vermittelt.
  • Bei jedem Treffen dürfen die Eltern eine symbolische Verankerung des wichtigsten Inhalts mitnehmen: Edelstein für die Edelsteinmomente, Stoppschild für die IRIS-Strategie, Blume als Ermutigung usw.
  • Die Teilnehmer bekommen Erinnerungszettel der Kursinhalte mit nach Hause sowie Ideen zum Ausprobieren.
  • Gegen Ende der Treffen wird von den Leitern angeregt, sich weiterhin als Gruppe zu treffen, evtl. auch mit den Kindern
  • Bei jedem Treffen gibt es eine Kaffeepause, am Schluss es Kurses ein schöner Abschluss, oft gemeinsam mit Eltern und Kindern, z.B. Lagerfeuer oder Waffeln backen.
  • Die Eltern, die an mindestens 5 Treffen teilgenommen haben, erhalten ein Zertifikat.

Die Rückmeldungen der Eltern sind zum großen Teil sehr positiv. Die Sozialpädagogischen Familienhelfer empfinden es als hilfreich, dass sie bei Erziehungsthemen mit den Vätern und Müttern an die Kursinhalte anknüpfen können.

Annette Wilkes, 21.12.2012